FÖRDERSTUDIE

AUS NEUSTART KULTUR FÜR DIE ZUKUNFT LERNEN

Wie steht es um die freie Theaterszene in Deutschland? Mit einer Förderstudie  untersuchte die DTHG im August und September 2021 die Bedarfslage deutscher Privattheater basierend auf dem Programm Neustart Kultur. Ziel der Studie war es, bessere Aussagen darüber treffen zu können, welchen Anforderungen sich ein Förderprogramm zukünftig auf Bundesebene stellen muss, um den unterschiedlichen Akteuren der freien Theaterszene Rechnung zu tragen.

NEUSTART KULTUR

PANDEMIEBEDINGTE INVESTITIONEN

Mittel aus der Programmlinie „Pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen zur Erhaltung und Stärkung der bundesweit bedeutenden Kulturlandschaft“ wurden von der DTHG in zwei Förderrunden an Akteure der freien Theaterszene ausgereicht. 

Die erste Förderrunde startete im Juli 2020. Es standen 40 Millionen Euro zur Verfügung. Die zweite Runde, die mit 15 Millionen Euro ausgestattet war, begann im Juni 2021. Es wurden 882 Anträge bei der DTHG eingereicht. 68% von ihnen wurden bewilligt.

Start: Juli 2020

Förderrunde 1: 40 Millionen
Förderrunde 2: 15 Millionen
Beantragte Summe: 50 Millionen

Antragstellende: 882
Bewilligt: 599
Abgelehnt: 283

LANGFASSUNG

KURZFASSUNG

SHORT VERSION

FÖRDERTHEATER

Es wurden 882 Anträge bei der DTHG eingereicht. 68% von ihnen wurden bewilligt. Die eingereichten Anträge stammten aus ganz Deutschland, wobei die Verteilung deutlich zeigte, dass aus ländlichen Gebieten weit weniger Anträge bei der DTHG eingingen als aus urbanen Räumen.

Unter den Teilnehmenden der freien Szene befanden sich Solo-Selbstständige und Akteure, die als GmbH und gGmbH, GbR, e.V. oder Einzelunternehmen agieren. Mit über 43% stellten die eingetragenen Vereine die mit Abstand größte Gruppe dar.

SPARTEN

Die Antragstellenden stammten aus den Bereichen nicht überwiegend öffentlich geförderter Theater, künstlerischer Produktionsorte, Festspielhäuser, Festivals, Kleinkunstbühnen und Varietétheater. Die Angebotspalette wurde nach den Sparten Theater, Kinder- und Jugendtheater, Dinnertheater, Musik / Musical, Tanz, Kabarett / Kleinkunst, Varieté, Festival / Festspiel sowie Sonstiges unterschieden. 

In knapp einem Fünftel (18%) der Fälle konzentrieren sich die Befragten mit ihrem Angebot auf eine Sparte, knapp ein Viertel (24%) bedienen zwei Sparten, über 58% setzen mit mindestens drei Sparten auf eine heterogene Angebotsstruktur.

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ERGEBNISSE

Die von der DTHG ausgegebenen NEUSTART KULTUR-Mittel investierten die Mittelempfangenden in den Bereichen: Verbesserung der Arbeitsplatzsituation, Digitalisierung, Klimatisierung, Licht- und Tontechnik, Ticketing und Hygienemaßnahmen.7 Hierbei zeigt sich, dass insbesondere der Bedarf an Hygienemaßnahmen mit gut 68% vor dem Hintergrund der Pandemie sehr groß ist. Besonders bedeutsam ist mit knapp 46% der Bereich „Verbesserung Arbeitsplatzsituation“. Dieser Förderbereich ist auch losgelöst von der pandemischen Situation von hoher Relevanz.

HANDLUNGSFELDER

Es müssen bedarfsgerechte Förderprogramme entwickelt werden, die nachhaltig wirken. Teils ist der Bedarf bekannt, teils muss dieser (gemeinsam mit den Akteuren der freien Szene) fortlaufend ermittelt werden. Für die Antragstellenden müssen Ansprechpersonen zu Verfügung stehen, die kompetent beraten, um die Vergabe der Fördermittel zielführend vorzubereiten.

Aus den vorliegenden Ergebnissen der Studie leiten sich 5 zentrale Handlungsfelder ab:

INVESTITIONSFÖRDERUNG

Die Studie zeigt, dass es zahlreiche Programme zur Förderung bzw. Unterstützung der allgemeinen Situation gab und gibt, aber kaum gezielte Investitionsförderung. Hier aber besteht ein besonders großer Bedarf (90%) an nachhaltiger technischer Ausrüstung, Gebäudemodernisierung, insbesondere Hygienemaßnahmen und Lüftung, Arbeitsplatzausstattung und Digitalisierung der Gebäudetechnologie.

NACHHALTIGES IMMOBILIENMANAGEMENT

Dem Investitionsbedarf hinsichtlich der Räumlichkeiten steht in der Mehrheit der Fälle die Eigentumsfrage entgegen. So verfügen mindestens 80% der Befragten nicht über bauliches Eigentum an ihren Proben- und Büroräumen sowie Bühnen bzw. Aufführungsstätten. Eigentum bildet jedoch regulär die Voraussetzung, in nachhaltige Gebäudetechnik und mehr zu investieren. Eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Erwerbens von Immobilen ist daher erforderlich. In Verbindung hiermit gilt es auch, sich mit der Dauer von Mietverträgen auseinanderzusetzen. Denn auf 20 Jahre und mehr ausgerichtete Mietverträge können eine Alternative zum Eigentum darstellen.

FÖRDERUNG IM LÄNDLICHEN RAUM

Mit Blick auf die Verortung der Antragstellenden in ländliche und urbane Räume müssen Förderprogramme künftig noch mehr die ländlich geprägten Gebiete in den Fokus nehmen, um die kulturelle Infrastruktur zu erhalten und nach Möglichkeit zu erweitern. Zudem sollten Förderprogramme der Arbeitsplatzsituation jenseits der Urbanität Rechnung tragen. Eng verbunden mit der Arbeitsplatzsituation ist die Entwicklung bedarfsgerechter Aus- und Weiterbildungsformate. Diese sollten nicht nur den Inhalten, sondern auch den Rahmenbedingungen, wie Wegstrecken, ehrenamtliches Engagement neben der Erwerbstätigkeit sowie Kosten Rechnung tragen.

FÖRDERUNG DER DIGITALISIERUNG

Die Bedeutung der Digitalisierung hat uns die Corona-Pandemie deutlich vor Augen geführt. Auch in Zukunft und ungeachtet einer pandemischen Lage muss Förderung auf digitale Verbreitungsformate wie Streaming-Portale abzielen. Zugleich und zwecks nachhaltiger und qualitativ hochwertiger Nutzung dieser Formate sollten digitale Tools zur Förderung der digitalen Produktionsweise, wie beispielsweise virtuelle Bauproben oder 3D-Cloud, gefördert werden. Zudem sollten digitale Tools zur Verbesserung der Arbeitssicherheit und Nachhaltigkeit feste Fördergegenstände werden.

WEITERBILDUNG UND VERNETZUNG

Es gilt, ein Aus- und Weiterbildungsportfolio zu entwickeln, das den hohen Bedarf an berufsspezifischen Inhalten und Fragestellungen beantwortet. Hierbei zeigt die Studie, dass die Bereiche Marketing / Kommunikation und Veranstaltungstechnik als dringlich empfunden werden. Um die Akteure der freien Szene dauerhaft zu begleiten, sollten Bedarfe turnusmäßig ermittelt werden. Um dem sehr ausgeprägten Bedarf innerhalb der Branche nach Austausch und Vernetzung gerecht werden zu können, bedarf es eines Angebots aus Seminaren und Konferenzen, das neben spezifischen Themen die Bildung und Erweiterung von Netzwerken befördert.

Die Befragung, Durchführung und Auswertung wurden von der DTHG gemeinsam mit der KULTUREXPERTEN Dr. Scheytt GmbH konzipiert und realisiert.

Die statistische Auswertung der Daten erfolgte durch die KULTUREXPERTEN Dr. Scheytt GmbH.

PRESSE- INFORMATIONEN

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